Fundstücke aus Kirchenbucheinträgen
und verwunderliche Geschichten

Die Kirchenbucheinträge spiegeln die damalige Lebens- und Denkweise sowie die moralische Einstellung der Zeit wider. Insofern sind folgende Beispiele authentische Darstellungen; auch damals gab es schon "unmoralische" Vorkommnisse, die der Kirche garnicht gefallen haben.

Ein Traueintrag im Kirchenbuch Asendorf von 1783:
"Am 20. Februar wurde der Witwer und Heuerman von Haendorf Hinr. Beneke mit der liederlichen Margaretha Elisabeth Danclefs, die schon mit einem andern ein uneheliges Kind gezeuget, und hernach mit einem Ehemann zu Haendorf verdächtigen Umgang gepflogen und nun wieder wer weiß von wem schwanger ist, getrauet."

Bezeichnenderweise ist nur die "liederliche" Braut erwähnt. Dass der Bräutigam ebenfalls schon Vater eines unehelichen Kindes war, bleibt hier unerwähnt, daher hier der dazugehörige Taufeintrag von 1774:

"Am 26. März sandte Adelheid Fokken, die schon ein uneheliges Kind von Hinrich Stelter zu Brüne hatte, ihr 2tes Hurkind, ein Söhnlein, welches d. 25ten ejusd. Mittags gebohren, zur H. Taufe. Der Vater dieses 2ten Kindes, den sie angegeben und in der Noth*) nochmals bekannt hat, soll seyn Hinrich Beneke, ihrer Mutter Bruders Sohn, der als Knecht in Fokken Hause, und nun bei Danclefs zu Haendorf dienet, und auch Lüdekens oder Meiers Tochter daselbst, mit der er verlobt, verunehret hat. Dieser Kerl will aber das Kind durchaus nicht annehmen, wird also per brachium seculare**) ausgemacht werden müßen.

Randbemerkung: Hinrich Beneke hat am 8. 7br. a. c. dieses Kind angenommen, u. hier gestanden, daß er es nach Jahres Frist zu sich nehmen wolle."


*) wahrscheinlich ist die "Kindsnoth" gemeint, d.h. die Wehen. Die Hebammen hatten den Auftrag, die ledigen Mütter während der Geburt nochmals nach dem Namen des Vaters zu befragen.
**) der weltliche Arm (des Gesetzes)